Geschichte


Olympia 1908, Chronik Einer Fasnachtsgesellschaft

9.März 1908

An diesem Fasnachtsmontag nach dem Morgenstraich, sassen einige Herren zusammen bei einer Mehlsuppe im Birseckerhof und berieten darüber eine eigene Fasnachtsgesellschaft zu gründen. Sie waren aus den Vereinigten Kleinbaslern ausgetreten oder waren ausgeschlossen worden, auf jeden Fall hatte es einen mittleren Cliquenkrach gegeben. Auf den Namen Olympia kamen sie dadurch, dass einige der Anwesenden bei einem Turnerkreis waren, der einige Male als “Jüngere Olympia” einen Fasnachtszug gemacht hatte. Und damit war die Olympia geboren. Der erste Präsident, Emil Hug, erklärte nach seiner Wahl, er wolle aus der Olympia nicht nur eine “lockere Fasnachtsgesellschaft”, sondern eine “zusammengehörende Bande” machen. 1909 marschierte der erste Zug der Olympia. Sie war damals vorwiegend eine Tambourenclique, da bis vor dem Ersten Weltkrieg allgemein noch sehr wenig gepfiffen wurde. Ein paar Pfeiffer waren aber bei der Olympia schon immer dabei.

Bümmel und Bälle

Bümmel hatte es von Anfang an gegeben und wurden ab 1911 regelmässig zwei- bis dreimal jährlich durchgeführt. Bis 1910 wurde nur ein Bummel durchgeführt, wenn der fasnächtliche Saldo besonders gross ausgefallen war. Ab 1910 wurde durch das neugegründete Comité ein geordnetes Subventionswesen aufgezogen. Am 13. Dezember 1919 feierte die Olympia mit etwas Verspätung ihr 10-jähriges Bestehen. Sie organisierte einen Ball mit musikalischen und anderen Attraktionen. In den folgenden Jahren organisierte die Olympia jährlich einen Olymperball zu welchem befreundete Vereine und Gruppen eingeladen wurden.

Junge Garde

1910 gründete der Sigrist der Elisabethenkirche eine Clique aus Trommelschülern, genannt “Elisabethen-Clique”. 1912 schlug der Präsident der Olympia vor, sie als “Jüngere Olympia” zu benennen und anzugliedern. 1919 löste sich die “Jüngere Olympia” vorerst auf (durch Aus- und Eintritte in die Olympia selbst). Erst 1934 erschien wieder eine “Jüngere Olympia” die sich 1938 zur “Jungen Garde” umbenannte. Am Morgenstraich 1947 marschierten der Stamm und die Junge Garde erstmals zusammen durch’s Kleinbasel bis zum ersten Halt.

Reisen

1931 reiste die Olympia zum Trachtenfest nach Genf. Durch dieses Treffen knüpfte sie eine Beziehung zur Schweizerischen Trachtenvereinigung, die bis heute aufrechterhalten wurde und die ihr zu zahlreichen Reisen verhalf. Wie zum Beispiel 1934 das Trachtenfest in Montreux, 1936 das Trachtenfest in Belfort und 1937 das Frühlingsfest in Cannes. Der damalige Präsident, Ernst Plattner, besorgte Einladungen für die Weltausstellungen in Brüssel (1935), in Paris (1937) und in New York (1939). Eine weitere ereignisreiche Reise, war die zur berüchtigten Olympiade von Berlin1936, bei der die Eidgenossen sich als einzige dagegen sträubten den Führergruss zu vollziehen. Damals hätte niemand gedacht, dass eine Reise nach New York jemals finanziert werden könne. Und doch machten sich am 18. Juli 1939 25 Olymper auf den weiten Weg über Paris an die französische Küste, um dort in Richtung New York einzuschiffen. Bis zum 8. August folgte ein strenges Programm, mit zahlreichen Auftritten, Gastmählern und Ausflügen, das mit der 1. Augustfeier ihren absoluten Höhepunkt fand. Am 8. August ging es auf die Rückreise. Am 15. August wurden die Heimkehrenden von der ganzen Stadt Basel begeistert empfangen.

Dr Saffrebächer

Die Olympia stellte schon bald nach ihrer Gründung das Zunftspiel der E.E. Zunft zu Safran. Viele Olymper waren und sind saffrezünftig. Der “Saffrebächer” wird jeweils am Bummel der Fasnachtsgesellschaft dem nach Fasnachtsdienstjahren ältesten Tambour oder Pfeiffer überreicht.Diese Auszeichnung wird nur einmal an dieselbe Person verliehen. Da die Vorträbler beim “Saffrebächer” nicht berücksichtigt werden, riefen diese den “Vortrabsbächer” ins Leben.

Die Olympia und die Drei Ehrengesellschaften

Ein wichtiger Punkt im Olymperjahr ist, seit ca. einem halben Jahrhundert, der Vogel Gryff. Der Stamm trifft sich jeweils am Abend mit der Alten Garde vor dem Café-Spitz für den gemeinsamen Umzug durchs Kleinbasel mit den Ehrenzeichen und dem Spiel der “Drei E”. Selbstverständlich ist man an diesem festlichen Anlass in der besseren Schale unterwegs und trägt den Olymperhut!

Laternenmaler

1965 kam die Ablösung für den Laternenmaler Sulzbi, es war Kurt Pauletto. Er übernahm “nur” die Laternengestaltung und überliess die Zugsgestaltung der Phantasie der Mitgliedern der Olympia. Das Verschenken der Laternenentwürfe an den Bümmel, war bezeichnend für die Zusammenarbeit mit Pauletto. Als 1972 die Idee aufkam, dass auch die Laterne von Olymperhand stammen solle, quittierte Pauletto seinen Dienst in Freundschaft. Als sein Nachfolger kam der Tambour Roland Gazotti.

Festwirtschaften

Die Olympia war auch immer wieder an Stadtfesten mit eigenen Festwirtschaften anwesend. Erstmals mit eigener Festwirtschaft war am Unifest von 1960. Die von Sulzbi bemalten Wände des Kellers der UHG, die trommelnde Junge Garde und das Requisit des Fasnachtzuges (ein neun Meter langer Dinosaurier) waren Dekoration und Teile des Beitrages der Olympia zu diesem Fest. Auch bei den zukünftigen Festen war die Olympia mit einfallsreichen Aktionen vertreten. Wie zum Beispiel am Stadtfest 1975 mit dem “Casino Olympia” und am Lammfest 1979 mit dem “Circus Olympia”. Sie musste jedoch nicht immer alleine auftreten, sondern konnte auch wie am Fährifest 1981 mit den Basler Bebbi auf eine friedliche Zusammenarbeit mit anderen grossen Cliquen zurückgreifen.

Verschiedenes

1960 setzte die Olympia die Verdunkelung des Kleinbasels am Morgenstraich durch. Am 30. September 1963 musste die Olympia, nach einem schweren Brand, aus dem alten Café Spitz ausziehen. Bis 1972 diente dann die “Alti Schmitti” als Unterkunftsort der Olympia. Dem Auszug folgten Jahre der Verhandlungen, bis man schliesslich einen Teil des Estrichs, die heutige Olymperstube, für sich gewinnen konnte. 1973 kam erstmals die Idee den Fasnachtszug zwar mit einheitlichen Grundkostümen auszustatten dabei sollte aber trozdem jeder die Freiheit behalten, sein Kostüm nach Lust und Laune auszuschmücken. Die Larven wurden ohnehin seit 1965 im ausgebauten Keller des St. Alban-Stifts von jedem persönlich hergestellt. 1977 organisierte die Olympia zum dritten Mal das offizielle Preistrommeln. Sie führten zum ersten Mal eine Vorrundenausscheidung ein und gestalteten das Finale als “Olympische Spiele” um das Ganze etwas aufzulockern.

Neueres

Mit Schaffner hielt kurzzeitig ein eher graphikorientierter Stil des Laternenmalens Einzug (was nicht allen Olympern gefallen haben soll). Man konnte mit einiger Überredenskunst Roland Gazotti dazu bewegen, sein Talent erneut in den Dienst der Olympia zu stellen. So wird “d’Lampe” jetzt also wieder von einem Olymper gemalt. Christian Widmer als Chef des Geselligen holte 1999 die Bümmel, von Bad-Bubendorf, zurück nach Basel und konnte in den folgenden Jahren mit abwechslungsreichen Programmen überraschen und begeistern. 1999 wurde das Jubiläum der Alten Garde mit einem gemeinsamen Bummel der gesamten Fasnachtsgesellschaft gefeiert. Am Abend zog man dann im Riesen-Harst durch die Strassen. Im Sommer 2000 trat die Olympia, mit Verstärkung (nomol danggschön), zum ersten Mal am ZTPF auf. Nach den Auftritten wurde man in der Festbeiz von Passiven Helfern und einigen gastronomisch bewanderten Aktiven bewirtet. Nach Werni Emhardt, der den Stamm seit 1989 anführte, wurde 2001 Däni Keller als Präsident gewählt.